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Grasmäher in Holland

Niederlande

Hollandgänger und Auswanderung nach den Niederlanden

(von Heinrich Gosmann)

Die einschlägige Literatur hat sich eingehend mit dem Hollandgang und den Hollandgängern beschäftigt, siehe Literatur- und Linkliste. Deshalb soll an dieser Stelle nur kurz darauf eingegangen werden und ansonsten mögliche Quellen und deren Nutzung im Vordergrund stehen.

Dem früheren Nordwesten Deutschlands, zersplittert in ein Dutzend Staaten, einer Grundherrschaft mit Leibeigentum, einer unterentwickelten Landwirtschaft, Handwerk und Gewerbe eingeengt in Gilden und Vorschriften, und ein Heuerlingssystem, das nach der Markenteilung besonders zu leiden hatte, stand das damals modernste Staatswesen Europas gegenüber.

Die Niederlande entwickelten sich ab etwa 1580 zur führenden See- und Handelsmacht in Europa. Unfreiheit gegenüber dem Landesherren und jede Art von Frondienst waren hier inzwischen unbekannt, und die Niederlassung und Heirat waren im Gegensatz zu Deutschland frei. Die holländische Wirtschaft stand um 1600 in voller Blüte. 200 Jahre lang konnte Holland seine Führungsposition im Welthandel behaupten. Die Menschen wanderten in die Küstenstädte ab, und man war bald auf Immigranten angewiesen, um die hoch entwickelte Landwirtschaft am Laufen zu halten.

Die Holländer dieser Zeit betrachteten das Land jenseits der Grenze als „Ödland“ und deren Bewohner als „Hinterwäldler“. Es bürgerte sich der Spottname „Moff“ ein, abgeleitet von dem modrigen Geruch der deutschen Mäher, und in Volkskomödien, den populären "Moffenkluchten" machte man die Moffen zu Deppen.

Betrachtet man das gesamte Spektrum dieses Themas, so muss man drei Gruppen bilden, so wie es schon Jan Lucassen vom Internationalen Institut für Sozialgeschichte der Freien Universität Amsterdam getan hat (siehe Linkliste):

  1. Die Saisonarbeiter, die einige Wochen oder Monate blieben
  2. Die Langzeitarbeiter, die über mehrere Jahre blieben
  3. Die Auswanderer, die ganz in Holland blieben

Dabei wird deutlich, das die Saisonarbeit ihre Bedeutung weitgehend im regionalen Raum hatte, die zweite und dritte Gruppe aber weit wichtiger waren, insbesondere für die deutsche Emigrationsgeschichte.

1. Die Saisonarbeiter

Als Hollandgänger bezeichnete man gemeinhin jene Saisonarbeiter, die von sozialer Not getrieben aus wirtschaftlich schwachen Gebieten Deutschlands in die Niederlande zogen, um dort das nötige Einkommen für sich und ihre Familien zu erarbeiten. Die Anzahl der Hollandgänger wird zwischen 1675 und 1875 auf durchschnittlich 20-30.000 im Jahr geschätzt. Seit Anfang des 17. Jhds., bis etwa 1914, zog es auch viele aus den von Rückständigkeit und Armut geprägten Gebieten des Osnabrücker- und des Tecklenburger Landes nach Holland. Sie trafen sich mit den Hollandgängern aus dem Niederstift Münster, Südoldenburg, dem Raum Diepholz und der Grafschaft Lingen an der Emsfähre bei Lingen. Von dort aus zogen sie durch die Grafschaft Bentheim entlang der Vechte bis Hasselt oder Kampen und dann mit dem Schiff hinüber nach Amsterdam oder in die Provinz Noord-Holland.

In der „Oekonomische Encyclopädie, oder allgemeines System der Staats, Haus und Landwirtschaft“ von 1781 heißt es „...Ihre Anzahl ist bis zum Erstaunen groß. Insonderheit sieht man in Nord-Holland, und andern Gegenden, wo der größte Teil der Landwirtschaft im Heumachen und in der Viehzucht besteht, eine so große Menge derselben, dass ihre Ankunft und ihr Abzug im Sommer einer Völkerwanderung ähnlich ist... Auf allen Heerstraßen findet man Gesellschaften, öfters von mehr als 100 an der Zahl, welche entweder Arbeit suchen, oder mit ihren eroberten Gulden nach Hause gehen...“.
Mehr als drei Viertel dieser Hollandgänger waren verheiratet und verdingten sich hier zum Beispiel für etwa 6 Wochen als Grasmäher, langläufig als „Hannekemaaier", "Pickmäijer" oder "Vennkers" bezeichnet oder auch für einige Monate als Torfarbeiter.

2. Die Langzeitarbeiter

Dieser Personenkreis bestand größtenteils aus ledigen Männern und Frauen, die längerfristige Arbeitsverhältnisse z.B. als Gärtner oder Hausmädchen eingingen. Waren sie gläubig, so meldeten sie sich in der jeweiligen holländischen Kirchengemeinde mit einem Attest ihres Heimatpfarrers an und wurden in die Gemeinschaft aufgenommen. In sogenannten „Lidmatenregistern“ (Lidmat = Mitglied) lassen sich diese Hollandgänger nachweisen (Siehe Linkliste). Hier wurden Neumitglieder mit dem Eintrittsdatum eingetragen und gelegentlich auch Abmeldungen, Heiraten und Verstorbene eingetragen. In einigen großen Städten wurden ab 1849 auch Fremdlingsregister geführt, wie z.B. in Amsterdam von 1849-1922 (siehe Linkliste). Hier sind Ausländer verzeichnet die nur zeitweise aber nicht mehr als sechs Jahre dort lebten und nicht mit einem holländischen Partner verheiratet waren.

Und dann gab es da noch die Gruppe von jungen Menschen, überwiegend Männer, die das Abenteuer suchten und die Welt entdecken wollten oder auch dazu gedrängt wurden. Dazu verhalf ihnen die VOC, die niederländische Ostindien Kompanie, der erste Globalplayer, der zwischen 1602 und 1798 mit etwa 4700 Schiffen etwa eine Million Menschen beförderte und ein weltumspannendes Handelsimperium unterhielt. Etwa die Hälfte der Besatzungsmitglieder und Soldaten waren Ausländer, wobei die Deutschen den größten Teil bildeten. Alle wollten natürlich reich zurückkommen, doch von den Ausländern unter ihnen sahen fast zwei Drittel Europa niemals wieder! Ein Teil von ihnen wurde auch zu Auswanderern und blieb. Ein Bericht über den Kolonialdienst in der VOC (siehe Linkliste) beschreibt eindrucksvoll die damaligen Zustände! Die Datenbank der VOC (siehe Linkliste) verzeichnet 879 Schiffsnamen (Es gab nacheinander mehrere Schiffe gleichen Namens!) und über 850.000 Personen, in der Regel Besatzungsmitglieder und Soldaten. In den meisten Schiffslisten sind auch einige Frauen verzeichnet, meist Ehefrauen oder Dienstmädchen gehobener Ränge.

Aus dem Raum Tecklenburg / Osnabrück stammen in dieser Datenbank fast 3500 Personen, von denen über 2000 in ihrer Dienstzeit starben.
Auf Grund der Lautschrift gibt es unterschiedliche Schreibweisen von Namen und Orten in den Schiffssoldbüchern. Gelegentlich sind sie so verzerrt, das eine Identifizierung nicht mehr möglich ist. Überhaupt wäre eine Überprüfung an Hand der jeweiligen Kirchenbücher von Vorteil. Leider sind weder Geburtsdaten noch Eltern in den Soldbüchern vermerkt, so das sich die Suche als schwierig erweisen könnte.

3. Auswanderer

Vergleicht man die Auswanderungsländer Amerika und Holland des 19. Jhd., so wird deutlich, dass die Amerika-Auswanderung zum Einen von Agenten aggressiv beworben wurde und zum Anderen die Aussicht auf Landeigentum winkte. Dem gegenüber standen eine teure, lange und gefährliche Reise, ein unbekanntes Land mit einer fremden Sprache und in der Regel keine Aussicht auf Rückkehr.

Das Nachbarland Holland war dagegen seit Generationen den hiesigen Menschen durch den Hollandgang vertraut, die Sprache weitgehend verständlich und die Entfernungen durch Fußmärsche auf bekannten Wegen ohne Probleme in kurzer Zeit zu bewältigen. Im Gegensatz zu Amerika gab es jedoch wenig Aussicht auf Landeigentum. Es muss diese Sehnsucht nach der eigenen Scholle gewesen sein, die im 19. Jhd. die meisten Auswanderer nach Amerika zog.
Ein weiterer Punkt ist ebenfalls zu berücksichtigen und macht die beiden Möglichkeiten so verschieden. Während nach Amerika ganze Familien umsiedelten, dem oft Verwandte und Bekannte mit ihren Familien folgten, waren die Holland-Auswanderer meist  ledige Männer und Frauen, die vielfach auf ihrem Hollandgang dort hängen blieben, ihre Liebe fanden und heirateten. Auch ihnen folgten oft Familienangehörige und Freunde, aber nur selten ganze Familien.

Die Literatur hat sich eingehend mit den Hollandgängern beschäftigt und auch nicht den Hinweis vergessen, das viele dieser Wanderarbeiter schließlich ganz in Holland blieben. Es wurde jedoch immer der Eindruck vermittelt, als wären diese Holland-Auswanderer eine Randerscheinung und von geringem Ausmaß gewesen. Dies ist jedoch ganz und gar nicht der Fall. Auch wenn im 19. Jhd. nur wenige offizielle Auswanderungskonsense für Holland erteilt wurden - im Osnabrücker Staatsarchiv finden sich etwa 500, davon etwa 170 aus dem Landkreis Osnabrück - so ist die Dunkelziffer wesentlich höher als in der Amerika-Auswanderung.
Jan Lucassen schätzt, das zwischen 1600 und 1800 sogar zwanzigmal soviel Deutsche nach Holland und seine Kolonien gezogen sind, als nach Amerika. Im 19. Jhd. war dies natürlich umgekehrt und dennoch war die Zahl der Hollandauswanderer sehr hoch, die vor allem im Kleingewerbe, Kleinhandel und im Handwerk tätig waren. Dies belegen die vielen Hollandheiraten in den Personenstandsregistern.