Fragen? Fehler gefunden?
Oder gibt es Ergänzungen?
Eine E-Mail genügt.
Wir freuen uns über jeden Beitrag.

Links:

VOC-Besatzungen mit ausführlichen Informationen zum Schiff, zur Fahrt usw. in dieser Datenbank.

VOC in Wikipedia

Kolonialdienst in der VOC

Alte Karte der VOC von Batavia, erstellt von Homann

VOC-Datenbank des Nationaal Archiefes

Statistik:

Die VOC-Datenbank enthält 879 Schiffsnamen (viele Namen wurden nach Verlust des Schiffes erneut vergeben) mit 850105 Personen (Stand 1.2.2013).
Von den 3487 Personen aus dem Raum Osnabrück / Tecklenburg sind (Gründe des Dienstendes):

  • 1969 während des Dienstes in der VOC gestorben (56,4 %)
  • 721 repatriiert (in Holland abgemustert (und auf anderem Schiff wieder angeheuert)) (20,8 %)
  • 228 am Kap der Guten Hoffnung angeheuert
  • 117 letzte Meldung (unklare oder fehlende Angaben zum Dienstende))
  • 85 vermißt (bei der Musterung an Bord nicht erschienen)
  • 81 bei Abfahrt abwesend (bei Musterung nicht erschienen oder nicht geeignet)
  • 52 geflohen
  • 41 bei Schiffsuntergängen ertrunken
  • 34 Freibürger (blieben im Herrschaftsbereich der VOC)
  • 17Frauen an Bord (Ehefrauen oder Dienstmädchen)
  • 10 von ausländischer Behörde verhaftet
  • 3 bestraft (der Lohn wurde einbehalten)
  • 3 Todesstrafe und hingerichtet
  • 3ermordet
  • 3zur Marine
  • 2 arbeitsunfähig (nach Holland zurückgeschickt)
  • 2 entlassen
  • 1 gekündigt (vom Betreffenden)
  • 1 Frau als Mann verkleidet
  • 1 Alter (erhält Ruheheuer)
Meuterei auf der Bounty (zeitgen. Darstellung, 19. Jh.)

Niederlande

VOC

Niederländische Ostindien-Kompanie (Vereenigde Oostindische Compagnie)

(von Heinrich Gosmann)

Zur Geschichte der VOC nutzen Sie bitte die Linkliste.

Zwischen 1635 und 1794 sind aus dem Osnabrücker- und Tecklenburger Land etwa 3500 Personen in holländische Hafenstädte gezogen und haben auf Schiffen der VOC angeheuert! Es ist erstaunlich, dass aus diesem verhältnismäßig kleinen Raum so viele Menschen den Schritt in das Abenteuer gewagt haben. Es war wohl der Zauber Ostindiens und die Sehnsucht nach dem schnellen Reichtum - möchte man meinen. Vor dem Hintergrund eines eindrucksvollen Berichtes über den Kolonialdienst in der VOC (siehe Linkliste) war dies jedoch aus heutiger Sicht eher ein Himmelfahrtskommando. Oft genug waren es aggressive Anwerber, sogenannte „Seelenverkäufer“, die unwissende Landratten mit allerlei listigen Tricks in eine Abhängigkeit brachten (Schuldbrief) und so in ein ungewolltes Abenteuer schickten. Die Statistik bestätigt diese Eindrücke. Von den 3487 Personen haben 1969 ihren Mut mit dem Leben bezahlt. Hinzu kamen 41 Männer, die mit ihren Schiffen untergingen, drei wurden ermordet und drei weitere nach Verhängung der Todesstrafe hingerichtet.

Einige Beispiele aus unserem Raum mögen die damaligen Umstände etwas aufhellen:

Hendrik Huijsloop aus Osnabrück

Hendrik Huijsloop aus Osnabrück heuerte am 10. März 1737 auf dem Schiff „Petronella Alida“ als Leichtmatrose an. Soweit ein normaler Vorgang, doch auf der Reise von der Insel Texel zum Kap der Guten Hoffnung stellte sich heraus, das „er“ kein Mann war! Ihre vorigen Reisen zum Kap bewältigte die „Petronella Alida“ in fünf bis sechs Monaten, doch diesmal kam sie erst am 4. November am Kap an. Sie brauchte also fast 8 Monate! Offenbar gab es vor Westafrika längere Flauten, was öfters vorkam und nicht nur die Reisezeit verlängerte, sondern oft zu Versorgungsproblemen führte. Deswegen liefen sie wohl auch am 9. Juli den Hafen von Santiago auf den Kapverden an und liefen erst am 24. wieder aus. Die Verkleidung des „Hendrik“ Huijsloop bemerkte man scheinbar am 26. Juli, zumindest ist dieses Datum als „sein“ Dienstende im Soldbuch eingetragen; dazu eine Bemerkung, nach der „er“ an Bord geheiratet hat! Der Glückliche war Wiggert Anneus Dooting aus Leeuwarden (NL), Assistent auf der „Petronella Alida“. Vielleicht hat man ihn auch dazu „überredet“ oder gar gezwungen, da er verantwortlich war für die Soldbücher und deren Richtigkeit. Überhaupt scheint diese Fahrt unter einem schlechten Stern gestanden zu haben. Es war die letzte Fahrt der „Petronella Alida“. Sie sank bzw. zerbrach, „was broken up“, wie es heißt, 1738 in Saldanha Bay, an der Südwestküste von Südafrika.

Hendrick Colthuijver aus dem Hochstift Osnabrück

Der früheste Eintrag stammt von einem Hendrick Colthuijver aus dem Hochstift Osnabrück, der am 2. Mai 1635 als Soldat mit der „Nassau“ nach Batavia, dem heutigen Jarkata, Hauptstadt Indonesiens, segelte. Nach der Ankunft am 21. September verliert sich seine Spur.

Johann Diederich & Johann Franz Piesbergen aus Bramsche

Johann Diederich Piesbergen (*23.10.1742) und Johann Franz Piesbergen (*16.9.1745), Söhne des Chirurgen Franz Heinrich Piesbergen und seiner Frau Margaretha Adelheit geb. Meyer, in Bramsche, wurden wie sein Vater und sein Bruder Balthasar Heinrich, ebenfalls Arzt. Während der Älteste das Erbe seines Vaters in Bramsche antrat, zog es die beiden anderen in die weite Welt. Johann Diederich heuerte am 30. April 1766 als „Zweiter Arzt“ auf dem Schiff „'s Lands Welvaren“ zu einer Fahrt nach Batavia an. Sein Bruder Johann Franz folgte am 25. Dezember des gleichen Jahres, ebenfalls als „Zweiter Arzt“ mit dem Schiff „Noord-beveland“ mit einer Fahrt nach Ceylon. Nach seiner Rückkehr am 27. August 1768 stach er bereits am 13. Dezember zu seiner zweiten Fahrt nach Ceylon in See. Auf der „Vrouwe Geertruida“ war er „Oberster Meister“, also als leitender Arzt, tätig. Nach fast 9 Monaten erreichte das Schiff am 7. August 1769 Ceylon. Johann Franz Piesbergen ist am 15. September 1775 in Asien gestorben.
Sein Bruder Johann Diederich kehrte am 20. Juni 1771 mit der „Jonge Lieve“ nach Holland zurück und startete am 30. Dezember zu seiner zweiten Tour mit der „Nieuw Rhoon“ nach Batavia. Als „Oberster Meister“ war er auch auf seiner dritten Fahrt nach Batavia vom 4. Mai 1774 bis zum 31. August 1776 auf der „Morgenster“ tätig. Im gleichen Jahr musterte er ab und kehrte nach Bramsche zurück. Hier wurde er ein angesehener Kaufhändler, der 1779 Anna Regine Pörtener heiratete, die Schwester seiner Schwägerin. Johann Diederich Piesbergen starb mit 87 Jahren am 8. Oktober 1829 in Bramsche.

Jan Ouwen aus Osnabrück

Jan Ouwen aus Osnabrück begann seine Laufbahn als „Hoffnungsläufer“ auf der „Papenburg“ im Mai 1738. Er kehrte 1742 mit der „Batavier“ aus Batavia zurück und startete noch im gleichen Jahr zur zweiten Fahrt. Auf der „Eendracht“ war er Matrose und kehrte mit ihr 1744 zurück. Offenbar fand er Gefallen an dem Seemannsleben, denn nach 5 Monaten zog es ihn wieder hinaus. Diesmal heuerte er als Schiffskanonier auf der „Zuiderburg“ an und kehrte 1746 mit der „Leiden“ aus Batavia zurück. Seine vierte Fahrt nach Batavia machte er als Quartiermeister auf der „Beukestijn“ und die Rückfahrt 1748 auf der „Gerechtigheid“. Noch im gleichen Jahr heuerte er als Proviantmeister auf der „Schuilenburg“ an. Das Schiff schaffte es jedoch nur bis zum Kap, wo es offenbar 7 Jahre repariert wurde und bei einer Fahrt 1756 nach „False Bay“, einer felsigen Bucht östlich vom Kap, zerstört wurde. Jan Ouwen heuerte Anfang 1750 auf der „Rust en Werk“ an und fuhr als Proviantmeister weiter nach Batavia. Eine weitere Fahrt vom Kap nach Batavia ist in gleicher Funktion 1752 verzeichnet. 1759 kehrte er mit der „Wildrijk“ aus Batavia nach Texel zurück. Ein halbes Jahr später fuhr er mit dem gleichen Schiff als Quartiermeister nach Batavia und kehrte 1762 mit der „Keukenhof“ zurück. Seine letzte Reise, diesmal als „Konstabler“, brachte ihn mit der „Jonge Lieve“ 1763 nach Ceylon wo er nach 25 Jahren als Seefahrer am 8. November 1764 starb.

Jan Jurgen Albersman aus Melle

Eine Meuterei auf der „Duinenburg“ in der Nähe der False Bay, kurz vor dem Kap, konnte 1766 unterdrückt werden. 74 Personen gingen in der False Bay an Land, und die Meuterer wurden „dem Gesetz übergeben“. An Bord war auch der Matrose Jan Jurgen Albersman aus Melle auf dem Weg nach Batavia. Er machte ab 1761 fünf Reisen nach Batavia, war Schiffskanonier, Matrose, Gehilfe des Schiemanns und starb am 15. November 1777 in Asien.

Jan Joost Droop aus Osnabrück

Selbst die berühmt gewordene Meuterei auf der Bounty kann man an dieser Stelle ansprechen. Eine unmittelbare Begegnung mit Besatzungsmitgliedern der Bounty hatte Jan Joost Droop aus Osnabrück.

Er muß schon ein erfahrener Seemann gewesen sein, als er am 2. August 1784 als Untersteuermann auf der „Eik en Linde“ zur Fahrt nach Batavia anheuerte. Die Rückfahrt endete am 30. April 1786 auf Texel, von wo er am 20. September als Kapitänleutnant auf der „Gouda“ nach Malabar an die Südwestküste Indiens segelte. Offenbar ging es später weiter nach Batavia. Möglicherweise hat er dort das Drama der englischen „Bounty“ vom 28. April 1789 mitbekommen. Die britische Admiralität schickte die „Pandora“, um vor allem die Meuterer zu finden und nach England zu bringen. Sie traf jedoch erst am 23. März 1791 in Tahiti ein. Mehrere Besatzungsmitglieder der Bounty fuhren bereits 1790 mit holländischen Schiffen von Batavia aus nach Hause: Auf der „Houtlust“ (1 Person), der „Rozenburg“ (2), der „Castor“ (2) und der „Vlijt“, Leutnant Willam Bligh, der ehemalige Kommandant der „Bounty“. Nachdem die „Pandora“ 1791 auf ein Riff lief und sank, nahm die holländische „Vredenburg“ 1792 auch 10 Meuterer auf und brachte sie zum Kap, wo sie von einem englischen Schiff übernommen wurden.
Droop trat am 26. Oktober 1789 die Rückreise auf der „Sparenrijk“, der früher unter preußischer Flagge fahrenden „Potsdam“, an. Mit an Bord waren 111 Personen, von denen 26 chinesische Seeleute waren. Von den 14 Passagieren waren zwei männliche und drei weibliche Sklaven und vier Überlebende der „Bounty“. Kurz vor dem Kap geriet die „Sparenrijk“ am 28. Dezember 1789 in einen heftigen Sturm und wurde am gefährlichen Cape Aghulhas, dem südlichsten Punkt Afrikas, beschädigt. Den Hafen erreichte man am 7. Januar 1790. Hier wurden offenbar notwendige Reparaturen ausgeführt. Am 17. Februar lief die „Sparenrijk“ wieder aus und traf am 23. Mai 1790 auf Texel ein.

Am 20. Februar 1791 bekam Droop sein eigenes Schiff. Es war die „Zaanstroom“, 1785 erbaut, mit einer Tonnage von 564 Tonnen. Er setzte sie nach acht Tagen vor Barfleur in der Normandie auf Grund. Sein zweites Schiff war die „Castor“, mit der er am 8. September 1791 zum Kap aufbrach und am 9. Januar 1792 auch eintraf. Im gleichen Jahr reiste er weiter mit der „Hilversbeek“ unter Kaptitän Klaas Voet nach Ceylon. Hier übernahm er die „Gerechtigheid“ und  kam nach dem notwendigen Versorgungsstopp am Kap am 10. Februar 1794 in Holland an. Damit beendete er offenbar sein Seefahrerleben, zumindest sind keine weiteren Fahrten mehr verzeichnet. Seine Frau war offenbar Henderica geb. Reeters, gebürtig aus Amsterdam, die am 17. Januar 1831 in Zutphen starb.